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Hirntod

Zur Geschichte des Hirntod-Kriteriums

Ist die Hirnfunktion erloschen so ist der Mensch tot.

Vor dem 2. Weltkrieg hat noch niemand einen "Hirntoten" gesehen, da im Rahmen des Hirntodes die Atmung erlischt. Mit dem Erlöschen der Atmung bricht auch der Kreislauf bedingt durch den Sauerstoffmangel zusammen und der Mensch stirbt. Die Todeskriterien erscheinen wie wir sie kennen:

 

· fehlende Atmung

· fehlender Herzschlag

· fehlende Bewegung

· der Körper nimmt Außentemperatur an

· Totenflecken

· Totenstarre

 

Zu diesem Zeitpunkt war die Beatmung und die Herzmassage noch nicht erfunden. Jede schwere Hirnschädigung die mit einem Atemstillstand einherging, führte zwangsläufig zu einem Herz-Kreislaufstillstand und somit zum Tod des Patienten.

 

Nicht so schwerwiegende Hirnschädigungen bei aufrechter eigenständiger Atmung versetzten den Patienten in einen komatösen Zustand der medizinisch als "Coma vigile" oder als "apallisches Syndrom" bezeichnet wird. Es wird hier auch vom "Wachkoma" gesprochen.

 

1959 nach mehrjähriger Einführung der Beatmungstherapie, beschrieben die französichen Ärzte Mollaret und Goulon einen neuen medizinischen Zustand, das "Coma Depasse" oder das "endgültige Koma". Ein Zustand in dem ein Mensch nach einer irreversiblen Schädigung des Gehirnes verblieb.

Mit der Verbreitung der Wiederbelebungsmassnahmen nahm die Zahl der "Coma dépassé" Patienten zu und gehörten zum intensivmedizinischen Alltag.

Zum damaligen Todesverständnisses wurde dieses Zustandsbild nicht mit dem Tod des Patienten gleichgesetzt.


Dennoch wurde beschlossen, dass Patienten im irreversiblen Koma schon vor Abbruch der lebensverlängernden Maßnahmen für tot erklärt wurden.

 

1968 formierte sich eine Ad-hoc-Kommission in Harvard mit dem Ziel das "Coma dépassé" als Hirntodkriterium zu etablieren. Die Kommission bestand aus Theologen, Juristen und Mediziner aus der Harvard Medical School.

 

 

Aus dem Original übersetzt:

 

Unser primäres Anliegen ist es, das irreversible Koma als neues Todeskriterium zu definieren. Es gibt zwei Gründe für den Bedarf an einer neuen Definition: 1. Der medizinische Fortschritt auf den Gebieten der Wiederbelebung und der Unterstützung lebenserhaltender Funktionen hat zu verstärkten Bemühungen geführt, das Leben auch schwerstverletzter Menschen zu retten. Manchmal haben diese Bemühungen nur teilweisen Erfolg: Das Ergebnis sind dann Individuen, deren Herz fortfährt zu schlagen, während ihr Gehirn irreversibel zerstört ist. Eine schwere Last ruht auf den Patienten, die den permanenten Verlust ihres Intellekts erleiden, auf ihren Familien, auf den Krankenhäusern und auf solchen Patienten, die auf von diesen komatösen Patienten belegte Krankenhausbetten angewiesen sind. 2. Überholte Kriterien für die Definition des Todes können zu Kontroversen bei der Beschaffung von Organen zur Transplantation führen.

vgl.Hoff/In der Schmitten [Hg.]: Wann ist der Mensch tot? Reinbek 1994, S.157

 

Original Report

 

Beecher, H.K. et al.: A Definition of Irreversible Coma. Report of the Ad Hoc Committee of the Harvard Medical School to Examine the Definition of Brain Death. JAMA 205 (1968), 85-88

 

Original Zitat

 

"Our primary purpose is to define irreversible coma as a new criterion for death. there are two reasons why there is need for a definition: (1) Improvements in resuscitative and supportive measures have led to increased efforts to save are desperately injured. Sometimes these efforts have only partial success so that the result is an individual whose heart continues to beat whose brain is irreversibly damaged. The burden is great on patients who suffer permanent loss of intellect, on their families, on the hospitals, and on those in need of hospital beds already of death can lead to controversy in obtaining organs for transplantation."

 

vgl.Hoff/In der Schmitten [Hg.]: Wann ist der Mensch tot? Reinbek 1994, S.234-235

Letzte Änderung: 04.04.2007